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Die Nutzungsgeschichte der Wälder

Die Geschichte der Wälder ist eng verbunden mit der Entwicklung der Besiedelung der hiesigen Landschaft und den Bedürfnissen der Bewohner an den Wald. Das Gebiet des heutigen Nationalparks Böhmische Schweiz war ursprünglich von einem zusammenhängenden Hochwald bedeckt. Die Zusammensetzung der Baumarten war verschiedenartig je nach den natürlichen Bedingungen für die Entwicklung der einzelnen Gehölzarten.


Bild: Urwaldartige Strukturen im Nationalpark. Foto: Václav Sojka


Da die Landschaft lange Zeit nur spärlich besiedelt war, änderten sich die Zusammensetzung und die natürliche Verjüngung des Waldes durch die Nutzung des Holzes als Brennholz nur sehr gering beeinflusst. Dies änderte sich mit dem Übergang vom 12. zum 13. Jahrhundert, als es zu einer stärkeren Besiedelung des Gebietes kam. Zu Beginn dieser Besiedelung behielt der Wald bis auf dort wo Siedlungen entstanden seinen urwaldartigen Charakter. Die Walderneuerung verlief auf natürliche Art und Weise und gewährte nicht nur die Bewahrung der Provenienz der heimischen Gehölzarten, sondern auch deren natürliche Selektion.

Nur in der Nähe der Siedlungen mit dauerhaftem Charakter, kam es zur systematischen Forstnutzung bis hin zur Übernutzung und dem Entstehen von Lichtungen und Waldblößen. Durch die Auflichtung der Bestände wurden lichtliebende Gehölzarten gefördert und die Zusammensetzung der Baumarten veränderte sich lokal. Die nicht ausreichenden landwirtschaftlichen Flächen führten zur weiteren Begründung von Lichtungen, welche für die Waldweide genutzt wurden. Die Waldweide und das Zusammenrechen des Laubs für die Einstreu im Stall führten zur Wert- und Ertragsminderung der Böden und zu einer schrittweise verringerten Erneuerungsfähigkeit des Waldes.

Die zunehmend fundamentaleren Eingriffe in die natürlichen Funktionen des Waldes gingen mit den gesellschaftlichen Veränderungen im 16. Jahrhundert einher. Unternehmerische Aktivitäten des Adels und die Entstehung von größeren Wirtschaftseinheiten – Großbauerngüter – stellten die Holzproduktion des Waldes in den Vordergrund. Der hohe Bedarf an Holz in Sachsen, die Nähe zur Landesgrenze als auch die günstige Verbindung mit der Elbe trugen schnell zur florierenden Entwicklung des Holzhandels in allen umliegenden Herrschaften, wie Bynove / (Binsdorf) ab dem 18. Jahrhundert im Besitz von Clay-Aldringen), Česká Kamenice / Böhmisch Kamnitz und Lipová / Hainspach (Salm-Reifferscheidt), bei. Die wirtschaftliche enorme Bedeutung der Wälder beweisen alte, erhaltene Rechnungen der Herrschaften, wo neben Haupteinnahmen- und Ausgabenbüchern meistens immer auch Forstrechnungen und –Register zu finden sind. Im nördlichen Teil des heutigen Nationalparks wurde sogar das Gebiet um den Fluss Křinice / Kirnitsch für die forstliche Nutzung an Sachsen langfristig verpachtet. Dies hatte auch Gründungen von neuen Siedlungen durch Deutsche zur Folge. Der Holzhandel gedieh sogar nach der Herausgabe des Forstpatents durch Maria Theresia im Jahre 1754, welches die Ausfuhr aufgrund von politischen Gründen markant beschränkte. In dem hiesigen Gebiet wurden aber, wegen des geringen örtlichen Holzverbrauchs und den komplizierten Transport nach Prag, von Anfang an Ausnahmen erteilt.


Bild: Flößerei auf der Elbe (historische Nachstellung). Foto: Václav Sojka


Als Waren wurden anfänglich vornehmlich Schnittware, sprich Bretter, Balken, Bohlen, Fass-, Böttcher- und Schiffsbausortiment gehandelt. Ab dem Beginn des 17. Jahrhunderts beweisen alte Rechnungen bereits überwiegende Einnahmen aus dem Verkauf von ganzen Baumstämmen, den sog. Verkauf auf dem Stock. Die Einnahmen der Sägewerke wurden demgegenüber nebensächlich. Neben Schnittware wurden auch Schindeln, Holzkohle oder Produkte aus Pech hergestellt.

Bedeutende Verbraucher von Feuerholz waren Glasmanufakturen. Die Glasherstellung benötigte große Mengen an Buchen- und Tannenholz, da daraus Pottasche gewonnen wurde, womit höhere Schmelztemperaturen erreicht werden konnten. Angefangen bei kleinen Waldöfen, die nach Ausnutzung der Wälder weiterzogen (z.B. Vlčí Hora 7 Wolfsberg, Doubice / Doubitz) bis hin zu Glashütten mit langer Tradition (z.B. Horní Chřibská / Oberkreibitz bereits im 15. Jahrhundert belegt). Die Herstellung und der Handel mit Glas hatten einen großen Einfluss auf den Zustand der Waldbestände, auf dem Gebiet des heutigen Nationalparks vor allem der Böhmisch-Kamnitzer Herrschaft der Kinskys.

Die Verwertung des Waldreichtums erforderte bereits seit dem 18. Jahrhundert eine geplante Gewährleistung von Holzvorräten und –nutzungsmengen. Die neue Form der forstlichen Nutzung – das Kahlschlagsystem – machte menschlichen Eingriff in die Walderneuerung durch künstliche Aufforstung notwendig. Zeitgenössische Beschreibungen und Vermessungen der Wälder beweisen im Laufe des folgenden Jahrhunderts eine grundsätzliche Änderung der Artenzusammensetzung und Qualität der Baumarten. Das Experimentieren mit Forstnutzungsmethoden, mit der Einführung von nicht-heimischen Baumarten und die Schaffung von Monokulturen hatte die Entstehung von instabilen Beständen zur Folge. Diese wurden dann des Öfteren Opfer von verschiedenen Naturereignissen, wie Windwürfe (z.B. 1740, 1807, 1829 oder 1838), Nassschnee (z.B. 1883, 1884, 1888) bis hin zur Nonnenfraßkalamität, die in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts kulminierte. Nicht selten wurden die betroffenen Flächen wieder mit Reinbeständen von Fichte oder Kiefer aufgeforstet.


Bild: Fichtenmonokultur. Foto: Václav Sojka


Nach der Bodenreform 1930 verblieben die meisten Großgrundbesitzer in Annexion und wurden großteils in staatliche Wirtschaft eingegliedert. Die restlichen Grundbesitzer sowie kleinere Forste deutscher Eigentümer übernahm die Tschechische Republik nach dem Jahr 1945. Ab diesen Zeitpunkt herrschte für das Gebiet des heutigen Nationalparks eine einheitliche forstwirtschaftliche Methodik bis etwa zum Jahre 1989. Erst mit der Ausweisung des Nationalparks im Jahr 2000 begann ein völlig neues Programm der Walderneuerung. In einer langfristigen Perspektive werden über natürliche Prozesse die ursprüngliche, natürliche Artenzusammensetzung und Altersverschiedenheit der Wälder wieder entstehen.


Bild: Neue Mischwälder enstehen im Nationalpark. Foto: Václav Sojka


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